Das Comeback des Kängurus: Die Marke YPS

Der erfolgreiche Relaunch der Marke YPS

Alte Bekannte zufällig im Supermarkt zu treffen, ist nicht immer unbedingt ein erfreuliches Ereignis. Falls Sie mir, verehrter Leser, in diesem Punkt zustimmen, lege ich Ihnen nahe, in nächster Zeit einen Umweg über das Zeitschriftenregal einzuschlagen. Denn dort stoßen Sie mit etwas Glück auf eine alte Bekannte, über deren Wiedersehen Sie sich garantiert freuen!

YPS ist nämlich wieder da!

Wenn Ihnen der Name YPS jetzt nichts sagt, dann liegt das wohl entweder daran, dass Sie a) erheblich jünger als 30 Jahre alt sind oder b) in Ostdeutschland aufgewachsen sind. Denn YPS steht wohl für die bekannteste westdeutsche Kinderzeitschrift in den 70er und 80er Jahren.

Dabei lässt sich der Erfolg des Comic-Heftchens in einem Wort zusammenfassen: Gimmick! Denn

als eine der ersten Zeitschriften tauchte YPS mit einem zusätzlichen Werbegag (wie „Gimmick“ laut Duden definiert ist) im Regal auf.

Zugegeben, heute bilden wohl eher Kinder-Zeitschriften, die ohne zusätzliche Lockstoffe im Regal landen, die Ausnahme. Doch bei der Gründung von YPS bildet das kleine Präsent eine Unique Selling Proposition wie aus dem Marketing-Lehrbuch. Das hatte sonst niemand… – was auf der Seite der Leser unweigerlich dazu führt, dass jeder es haben wollte! Und so haben die Gimmicks in Form von Glibbermaterial, eines Faltfernglases oder einer Gelddruckmaschine zwar selten funktioniert oder hatten gar einen tiefer gehenden Sinn, aber sie bescherten unzähligen Kindern spannende und glückliche Stunden.

YPS Cover mit Gimmick l

Für die Zeitschrift bedeutete der Millenniumswechsel einen kleinen Weltuntergang.

Doch wie so oft, ist auch ein Zeitschriften-Glück selten für die Ewigkeit bestimmt. Zur Jahrtausendwende ist die Welle der Leser-Begeisterung, die YPS entgegenschlägt, längst abgeklungen. Stattdessen kann sich die Marke in der stetig steigenden Flut an konkurrierenden Comic-Heftchen kaum noch über Wasser halten. Die Folgen sind klar. Der übersättigte Markt und die sinkenden Verkaufszahlen zwingen zu Sparmaßnahmen: Heft-Inhalte werden gestrichen, die Seitenzahlen gekürzt. Schließlich wird die Marke zum Kauf angeboten: das bisherige Heimat-Unternehmen Guner+Jahr übergibt das gebeutelte Heft an den Egmont Ehapa-Verlag. Doch auch der Besitzerwechsel kann nicht mehr viel retten: Im Oktober 2000 wird YPS schließlich  eingestellt.

Und nun ist der Peter Pan unter den Zeitschriften wieder da.

Das Relaunch-Datum ist also nicht zufällig gewählt: 12 Jahre nach dem wirtschaftlichen Aus, meldet sich das Comic-Heft zurück auf dem Zeitschriften-Markt.

Doch nicht nur, dass das Comicheft einen Marken-Relaunch wagt – denn das bedarf angesichts der ständig zurückgehenden Zahlen in den Printmedien schon eine gewisse Portion an Mut – ist eine Besonderheit. Sondern auch die Art, wie es sich bei seinem Comeback präsentiert… nämlich eigentlich nicht sehr viel anders, als noch vor 12 Jahren.

Selbst die Zielgruppe ist dieselbe. YPS wendet sich nämlich an die Kinder von damals. Zwar nicht als Kinder-Comic, aber als Männer-Magazin für die Generation der 30 bis 35- Jährigen. Eben jene Generation, die in ihrer Kindheit für eine Hochphase von YPS gesorgt haben, und auch umgekehrt durch YPS vielleicht die Hochphase ihrer Kindheit erlebt haben.

Na gut, seinen Heftchen-Charakter hat YPS mittlerweile verloren: heute präsentiert es seinen gealterten Lesern hochglänzende Seiten – und zwar 100 an der Zahl. Zum Vergleich: als die Zeitschrift im Jahr 2000 in den letzten (Schrift)Zügen lag, war es auf eine 32-seitige Ausgabe reduziert worden.

Und schließlich ist das Magazin nicht nur im Hinblick auf die Seitenzahlen gewachsen, sondern auch die Themen haben sich den mittlerweile erwachsenen Kindern angepasst: Titelthema der ersten ge-relaunch-ten Ausgabe ist beispielsweise „Mit 35 noch Geheimagent werden – wie geht das eigentlich?“ . Eine andere Rubrik trägt die Überschrift „Helden von einst“ – und liefert Porträts über die ebenfalls schon gealterten Kinderhelden der Leser, zum Beispiel des mehrfachen Olympia-Siegers Michael Groß.

Doch der Markenkern ist erhalten geblieben. Und das wird entscheidend sein für Erfolg oder Mißerfolg unsere Lieblings.

Und getreu dem Motto das Beste kommt Schluss, sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass in der neuen alten YPS natürlich auch ein Gimmick nicht fehlen darf: Beilage der ersten Relaunch-Ausgabe sind die Urzeitkrebse – das beliebteste Gimmick in der Comic-Karriere.

Fazit: Ein Comeback ist zuweilen ein riskantes Vorhaben. Die Zahl derjenigen Stars unserer Kindheit, die nach einer Auszeit versucht haben in die Öffentlichkeit zurück zu kehren und ihre Karriere wieder aufleben zu lassen, ist groß. Die Zahl derjenigen Stars, bei denen dieser Versuch auch wirklich von Erfolg gekrönt war, ist dagegen sehr klein. Denn oftmals muss der Comeback-Willige einsehen, dass die Welt mittlerweile auch ganz gut ohne seinen einstigen Star zurechtkommt.

Das Comeback – oder um den fachsprachlich korrekten Begriff zu verwenden – der Relaunch von YPS scheint allerdings mehr als geglückt zu sein. Die 120.000 Exemplare starke, erste Ausgabe der Marke mit dem Känguru war innerhalb weniger Tage nahezu ausverkauft. Es sieht wohl so aus, als wäre (zumindest in der Marken-)Welt noch ein Plätzchen für YPS frei…

Quelle: www.ehapa.de

 

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