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Interview mit Dietmar Gunz: Markenwerte in der Touristik

Ein Interview mit Dietmar Gunz, Gründer und Geschäftsführer von Deutschlands viertgrößtem Reiseveranstalter – der FTI GmbH mit Sitz in München.

 

Herr Gunz, bei Ihrem Markenauftritt fällt auf, dass Sie sich gegen den Einsatz eines Markenclaims entschieden haben. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mit einem Claim präsentiert die Marke eine Kernbotschaft. Und das schränkt ein. Außerdem ist der Aufwand ist (zu) hoch um einen Claim wirklich erfolgreich zu transportieren, kommunizieren und emotional aufladen zu können.

Der Verzicht auf einen Markenclaim heißt jedoch nicht Verzicht auf Markenwerte. Für was steht Ihre Marke?

Die Marke FTI steht für verlässliche Qualität, das beste bzw. ein faires Preisangebot und eine gelebte Partnerschaft mit dem Handel. Sowohl in der Kommunikation mit dem Endkunden, als auch mit Handelspartnern legen wir Wert auf einen unkomplizierten und serviceorientierten Umgang. – Allerdings liegt der Focus der Marke FTI vor allem auf dem B2B und nicht auf dem B2C-Bereich.

Herr Gunz, im Jahr 1983 haben Sie das Reise-Unternehmen Frosch Touristik GmbH gegründet. Welche Ziele haben Sie damals für Ihre Marke festgelegt?

Markenziele habe ich mir damals eigentlich gar keine gesteckt. Für mich war es damals nur entscheidend einen Firmennamen zu finden, den die IHK bereit war einzutragen.

Hat sich das Bild/Image Ihrer Marke seit Gründung verändert? Wenn ja, wohin und wodurch?

FTI_4c_kleinDie Marke FTI ist erst 1996 entstanden. Das waren ganze 16 Jahre nach der Gründung der ersten Marke und der heutigen Spezialmarke – lal Sprachreisen – und 13 Jahre nach der Gründung von Frosch Touristik. FTI seht für Frosch Touristik International. Die internationale Ausrichtung bildet wohl die wichtigste Veränderung in der Markengeschichte und wirkte sich auch auf das Bild der Marke aus.

Die Veränderung kam mit der Zeit: sie war ein logischer und vielleicht auch notwendiger Schritt angesichts der Entwicklungen des Geschäftes und der Notwendigkeit transparent und verständlich zu sein.

Heute ist FTI als internationale Ausgabe Marke einer Touristik Holding und zugleich auch die Hauptmarke des Konzerns, unter der weitere Spezialmarken vereint sind.

Sie als Gründer: Wie viel von Ihrer Persönlichkeit steckt im Markenkern? Und inwieweit ist Marke immer auch ein persönliches Projekt des Gründers?

Ich würde sagen, im Markenkern steckt gar keine Persönlichkeit mehr von mir. Bei der Markenführung geht es heute nur noch um Praktikabilität, Verständnis und Kommunizierbarkeit der Markewerte. Persönliche Einstellungen und Ziele des Gründers sind da fehl am Platz.

Was denken Sie persönlich, wie wichtig das Thema Markenimage für den Absatz von Urlaubsreisen ist?

Beim Thema Markenimage ist zwischen Handel und Endverbraucher zu unterschieden. Für den Kunden sind die Marke des Produktes und damit auch das dazugehörige Image  sehr wichtig – allerdings erst an 2. Stelle hinter dem Preis. Die Marke des Reiseveranstalters ist dagegen eher weniger wichtig – denn Reiseveranstalter sind austauschbar.

In der Touristik-Branche ist es schwer sich durch einen wirklichen Produktvorteil von der Konkurrenz abzusetzen. Denken Sie, dass eine positiv besetzte und bekannte Marke beim Kunden einen höheren Buchungsanreiz bewirkt?

Auf jeden Fall. Das Merkmal „Positiv besetzt“ ist so zu sagen die Grundvoraussetzung, damit ein gutes Produkt vom Endkunden gebucht wird und vom Handel empfohlen wird.

Von Anfang an stand Ihre Marke auf Expansionskurs. Das Problem daran: Großveranstalter konterten Ihre Preisofferten mit Leichtigkeit. Kann Ihrer Meinung nach, am Ende nur die preiswerteste Marke den Konsumenten überzeugen?

Der Preis spielt eine entscheidende Rolle bei der Überzeugung des Kunden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unterschiedliche Touristik-Marken dem Kunden oftmals sehr ähnliche und daher austauschbare Hotel- und Flugangebote bieten. Die Vergleichbarkeit ist somit leicht.

Wie kann sich eine ‚kleine’ Marke mit ca. 2500 Mitarbeitern überhaupt gegenüber den Großveranstaltern TUI und Neckermann behaupten?

‚Kleine’ Marken können sich gegenüber den ‚Großen’ behaupten, indem sie Vorteile wie ein kundenfreundliches Preis-Leistungsverhältnis, gute Beziehungen zum Handel und eine kontinuierliche Produktoptimierung – im Falle von FTI wären das zum Beispiel Verbesserung der Flugzeiten, Stärkung der Regionalität, Attention to Detail und der Ausbau von persönlichem Service – schaffen.

FTI ist mittlerweile, trotz kleinem Werbebudget, auch bei den Endkunden bekannt. Wissen Sie genau wie Ihr Kunde die Marke FTI wahrnimmt?

Nein, wir messen die Bekanntheit unserer Marke nicht. Stattdessen orientieren wir uns an einer anderen Zahl zur Messung des Erfolgs von FTI: über 3 Millionen Kunden reisen pro Jahr mit einem Produkt von FTI und machen Erfahrung damit.

Erst in diesem Jahr sind Sie mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden zum viertgrößten Reiseveranstalter Deutschlands. Was glauben Sie, ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich denke nicht, dass es ein Geheimnis für Erfolg gibt. Vielmehr setzt FTI auf Kontinuität und ständige Weiterentwicklung in der Unternehmensarbeit.

Zum Thema Markenarbeit: Wer übernimmt die Markenarbeit im Unternehmen? Ist für Sie, Marke eine Sache der Chefetage oder des Marketings?

Markenarbeit ist definitiv Chefsache.

Verraten Sie uns Ihren Markenkern?

Vertrauen in das Wesentliche.

Die FTI Touristik hat mittlerweile erfolgreich expandiert und ist Dachmarke für einige Tochtergesellschaften. Unter anderem die Luxusmarke Gold oder der Sprachreisenveranstalter lal. Ein Unternehmen, aber völlig verschiedene Marken: Wieviel „Markenimage“ von FTI schwingt in den jeweils anderen Marken mit? Und ist das immer positiv?

Die Zugehörigkeit zur FTI-Gruppe wird immer mitkommuniziert und ist somit auch fester Bestandteil der einzelnen Spezialistenmarke. Diese Verbindung halte ich für sehr positiv, denn das Mitschwingen der Dachmarke schafft Vertrauen.

Welchen Einfluss haben „X-Veranstalter“ auf das Markenempfinden und Markenwert in den Köpfen der Kunden und Expedienten genommen?

Ich denke, dass die X-Veranstalter etwas Verwirrung in den Köpfen der Kunden schaffen. Und dennoch denke ich, dass sich dieses Problem von selbst lösen wird, denn ich halte X-Veranstalter für eine Zeiterscheinung, die sich wieder legen wird.

Welchen Anteil hat die FTI Group Tochter sonnenklar.tv für die Markenarbeit von FTI? Und warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Im Reiseshoppingsender sonnenklar.TV sehe ich eine gute Methode um bestimmte nachfrageschwache Saisonzeiten aktiv zu bewerben und um dort Nachfrage zu schaffen, wo keine natürliche Nachfrage besteht.

Auf der Unternehmenswebseite verweisen Sie unter anderem stolz auf die Ökobilanz und die vortreffliche soziale Komponente in ihrem neuen Gebäude-Komplex. Wie wichtig sind solche Dinge für einen erfolgreichen Markenauftritt beim Endkunden / Reisebüro / Fachpresse? Achten Sie hier auf ein ganzheitliches Konzept und hat das Einfluss auch auf andere Aktivitäten/ Entscheidungen?

Ich denke, für den Markenauftritt sind diese Dinge nur indirekt wichtig. Vielmehr denke ich dabei an die Mitarbeiter der Marke: denn sie und ihr dazugehöriger Arbeitsplatz sind ausschlaggebende Faktoren für die Qualität der Arbeit und die Bereitschaft zu gutem Service.

1998 befand sich FTI in der Krise: zunächst wurde ein Drittel von FTI an MyTravel verkauft, 2002 wurde der Konzern vollständig von MyTravel übernommen. Sie und Ihre Partner Thuesen und Turan Jenei haben sich in dieser Zeit aus dem Unternehmen zurückgezogen. Hat sich in dieser Zeit unter der fremden Leitung auch die Marke verändert?

Durch die Führung unter fremder Hand hat das Unternehmen an Vertrauen verloren – oder zumindest fühlt es sich so an.

2003 haben Sie dann das Unternehmen FTI Touristik für den symbolischen Wert von einem Pfund zurück erworben. Was bedeutete Ihnen das ganz persönlich?

Ich hatte das Privileg, dass unser Einsatz für die Marke FTI auch mit ein bisschen Glück belohnt wurde.

Die Marke FTI gibt es seit 1983; ihren Platz auf dem Markt hat sie schon lange etabliert. Doch welchen Einfluss nehmen gesellschaftliche Trends auf die Marke? Beispielsweise werden heute die meisten Reisen online gebucht.

FTI ist überall dort, wo der Kunde ist. Auf dieses spezielle Beispiel bezogen, heißt das: Es gibt keinen Unterschied zwischen On- und Offline-Angeboten. Wir verkaufen auch im digitalen Zeitalter weiterhin Reisen an unsere Kunden.

Herr Gunz, herzlichen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke in das Markenmanagement der FTI GmbH.

Die wildefreunde Werbeagentur aus München ist seit über 20 Jahren sehr stark mit der Touristik verbunden. Vor ca. 20 Jahren haben die Geschäftsführer Susanne Schmitz und Robert Gampe bei FTI Ihre Kreativkariere begonnen. Wir haben eine Menge  Katalogkonzepte entwickelt und einige unserer Neuerungen wurden von der Branche kopiert. Wir haben die Marke FTI einige Jahre auch als externe Kreative begleitet.

Die Häkelmarke – myBoshi

Die Markenstrategie von myboshi

Unter einem Stricklieschen stellt man sich ja eigentlich eher ein graues (aber natürlich dennoch liebenswertes) Mäuschen vor, das am liebsten hinter seinen Stricknadeln in Deckung gehen würde. Da ist der Anblick dieser zwei Stricklieschen doch eher überraschend, aber Thomas Jaenisch und Felix Rohland geben offen zu: sie sind häkel-besessen.

Doch zwei häkelnde männliche Wesen machen noch keine Marken-Anekdote. Das erstaunliche an der Geschichte von Thomas und Felix ist jedoch, dass sie ihre Leidenschaft zur gewinnbringenden Geschäftsidee gemacht haben:

Angefangen hat alles auf einem Skilehrer-Ausflug im winterlichen Japan. Aus Mangel an einem aufregenderem Abendprogramm haben sich die zwei jungen Männer die langen und kalten Winterabende in Japan mit Häkel-Unterricht und ersten Selbst-Versuchen vertrieben. Eins führt zum anderen und… ein Marken-Märchen wird wahr! Denn aus der Beschäftigungstherapie gegen winterabendliche Langeweile wird myboshi – ein Unternehmen, das individuell angepasste (neudeutsch: ‚customized’) Mützen in der Masse herstellt.myboshi gruender 02-k

Seit der Gründung (2009) sind einige Jahre vergangen und schaut man sich seinem Umgebung mal etwas genauer um, so stellt man schnell fest: Strickware liegt im Trend! Und zwar nicht nur als modische Kopfbedeckung, sondern auch als Freizeitbeschäftigung!

myboshi logo farbig-kDoch wenn die Zielgruppe nun anfängt Wollmützen wirklich selbst zu stricken statt sie nur selbstgestrickt zu kaufen, ist das dann nicht schlecht für Hersteller wie myboshi?

Nicht für Thomas und Felix! Denn die beiden beweisen unter ihren Mützen Köpfchen: seit 2012 gibt es ihre Strickguides „mützenmacher“ und „mützenundmehr“ zu erwerben. Jeweils im Paket mit inbegriffen: myboshi-labels zum annähen an die individuell gefertigten Mützen. Es geht eben nichts über eine echte myboshi.

Und nicht nur das! Um die Erfolgsgeschichte abzurunden, hat das junge Unternehmen sein Produkt-Repertoire erweitert. Mittlerweile tragen auch bunt-fröhliche Häkelnadel-Sets und Wolle in sämtlichen Farbvarianten von Kürbis und Senf bis hin zu Neon-Pink das myboshi-Label.

So hat sich myboshi zum einem bemerkenswerten Allroundtalent entwickelt! Und zwar nicht nur auf dem Gebiet der Strickwaren, sondern auch  auf dem Gebiet der Markenarbeit.

Thomas und Felix haben es verstanden auf den aktuellen Trend zu reagieren:  statt sich das allgemeine Häkel-Fieber zum wirtschaftlichen Verhängnis werden zu lassen, profitieren sie davon! Die Marke nutzt ihre Bekanntheit bei den Fans der gestrickten Masche, um den Absatz der Strickguides zu fördern. Die Bücher steigern wiederum die Verkaufszahlen der Wolle. Und die myboshi-Labels sorgen schließlich dafür, dass die selbst gestrickte Ware kein No-Name-Produkt bleibt und sich stattdessen die Kunde über die coole Mützen-Marke schnell verbreitet.

Und wer nun noch an der Genialität dieser Strategie zweifelt, der soll doch einfach mal versuchen im Winter, in einem Textil-Geschäft seiner Wahl myboshi-Wolle zu ergattern. Denn die war aufgrund der großen Nachfrage vielerorts ausverkauft!

Der Marken-Award 2013 – Wer ist Markenkönig

And The Winner is…

Kraft Foods, Mattel und Rügenwalder Mühle sind die Gewinner des Marken-Award 2013

Seit Dienstag, den 12. Februar stehen sie fest: die Besten der Besten… unter den Marken. Rund 1.000 Vertreter aus Management, Marketing und Medien waren im Düsseldorfer Capitol-Theater zu Gast, um die „Night of the Brands“ – die Verleihung des Marken-Award 2013 – live mitzuerleben. Zu den Award-Gewinnern zählt in diesem Jahr Kraft Food als „Beste Neue Marke“  für die Etablierung der Marke Bull’s Eye auf dem deutschen Markt. Mattel konnte mit der Neupositionierung der Marke Barbie die Jury als „Bester Marken Relaunch“ überzeugen und der Preis „Beste Markendehnung“ ging an Rügenwalder Mühle für die Vermarktung der „Mühlen Würstchen“ als herzhaften Snack.

Die drei Preisträger können sich – im wahrsten Sinne des Wortes – geehrt fühlen: „Der Marken-Award ist die Königsdisziplin für Markenmacher. Wer hier in den Präsentationen vor der Jury besteht, hat Großes geleistet. Denn die Juroren sind Experten aus Wissenschaft, Beratung, Unternehmen und Marktforschung, die kritisch nachfragen.“, so Christian Thunig, Jury-Vorsitzender und stellvertretender Chefredakteur der absatzwirstchaft.

Doch was macht Kraft Food, Mattel und Rügenwalder Mühle zu den Königen unter den Markenmachern?

Kraft Food als „Beste Neue Marke“:

In den USA hat Bull’s Eye längst Kult-Status – das will Kraft Foods auch in Deutschland erreichen. Der Weg dorthin führt über eine klare Positionierung und Zielgruppen-Ansprache: Bull’s Eye ist die Grillsaucen-Marke für den echten Mann! Die Markenkommunikation baut auf das Clichée, das Grillen reine Männersache und die richtige Sauce das wichtigste Zubehör ist.

Praktisch umgesetzt wird die Kampagne vor allem durch PoS-Aktionen und Kooperationen, beispielsweise mit dem Fußballverein Werder Bremen.  Egal ob im Harley-Shop, oder im Grill-Bereich eines Baumarktes: Bull’s Eye ist zwar nicht immer dort, wo man(n) Grillsaucen erwartet, aber zumindest männliche Einkäufer.

Die Strategie geht auf: bereits drei Monate nach der Einführung im deutschen Markt erreichte Bull’s Eye unter den rauchig-scharfen Grillsaucen einen Marktanteil von 24 Prozent.

Mattel als „Bester Marken-Relaunch“:

marke-barbie-KenNachdem Barbie nun sieben Jahre lang alleine war, gibt es einen neuen, alten Mann in ihrem Leben: Ken ist wieder da.

Das Comeback des Puppen-Mannes dürfte sowohl bei Barbie, als auch bei Mattel für strahlende Augen sorgen: durch seine Rückkehr gelang es dem Spielzeug-Unternehmen Markt-Anteile zurückzugewinnen und die Marke Barbie neu zu positionieren.

Verpackt wurde der Relaunch in eine emotionale Marketing-Kampagne: Am Valentinstag 2011 gelang es Ken seine Barbie zurück zu erobern. „Sie hat Ja gesagt“ hieß die frohe Botschaft aus dem Hause Mattel. Seither ist das Traumpaar wieder glücklich vereint. – Und zwar wortwörtlich in einer Verpackung.

Die Liebesgeschichte um Barbie und Ken ist aber nicht nur rührend, sondern auch erfolgreich: allein im Februar 2011 stiegen die PoS-Durchverkäufe im zweistelligen Bereich.

Rügenwalder Mühle als „Beste Markendehnung“:

Marken Award Ruegenwald-kManchmal muss man auf etwas verzichten, um den Award „Beste Markendehnung“ zu verdienen. Im Fall von Rügenwalder Mühle war es das Wurstwasser. Das mag zunächst wenig appetitlich klingen, führte aber dazu, dass die Rügenwalder Mühle eines ihrer Produkte nun auch als Snack etabliert hat. Bis dato war Rügenwalder Mühle nur im Bereich Streichwurst und Aufschnitt positioniert, die neuen „Mühlen Würstchen“ aus dem Becher kann man nun auch pur genießen.

Eine Online-, TV- und Printkampagne macht auch den Verbraucher auf den Vorteil der Markendehnung aufmerksam: der herzhafte Snack eignet sich besonders gut für den Verzehr unterwegs und zwischendurch. Was würde deshalb näher liegen, als das neue Produkt erstmals auch in Tankstellen anzubieten.

Schon jetzt ist klar: der Abschied vom Wurstwasser hat sich gelohnt. Ein Jahr nach der Produkteinführung führt die Marke Rügenwalder Mühle das Würstchen-Segment an.

Im Visier: ArmedAngels

Von gewappneten Engeln und starken Marken:

ArmedAngels – Mit Mundpropaganda zum (Marken)Erfolg.

Martin Höfeler ist 32 Jahre alt, lebt in Köln und glaubt an Engel. Genauer gesagt an einen ganz bestimmten Engel. Es ist das ist das Markenlogo seines Kölner Modellabels armedangels. 2007 gründeten der ehemalige BWL-Student zusammen mit seinem Freund Anton Jurina das Unternehmen Social Fashion Company. Der Name verrät bereits: die Geschäftsidee soll Mode und soziale Verantwortung auf einen Nenner bringen. Denn die Jung-Unternehmer haben dabei keinen geringeren Ansporn als mit Mode die Welt zu verändern: ihre Social Fashion Revolution sagt Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltverschmutzung den Kampf an – und das im hippen Streetfashion-Outfit.

Was zunächst mit ersten T-Shirt-Entwürfen in einer Kölner Wohnung begann, kann bereits in 5 Jahren Unternehmensgeschichte auf eine ganze Reihe von Auszeichnungen zurückblicken. Unter anderem gewannen sie 2007 den Gründerwettbewerb der Wirtschaftswoche, 2012 den Transfair Award  und mit etwas Glück folgt Anfang Dezember der Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien“. Mehr noch als all diese Preise, dürfte das Unternehmerduo jedoch die Botschaft freuen, die dahinter steht:

Der gewappnete Engel trifft genau ins Schwarze.

Mit Social Fashion trifft armedangels den Zeitgeist. Das Zauberwort des Markenerfolgs lautet dabei Corporate Social Responsibility. Der Begriff steht für den freiwilligen Beitrag, den ein Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung leistet. Und Höfeler und Jurina wollen einen großen Beitrag leisten: sie wollen nicht nur Klamotten verkaufen, sondern übernehmen dabei auch noch  soziale und ökologische Verantwortung. Diese Kombination aus freiwilligem Engagement und Modebewusstsein bildet die Unique Selling Proposition – also das einzigartige Nutzenversprechen von ArmedAngels. Doch ganz so einzigartig ist dieses Merkmal leider nicht, denn auch die ‚Großen’ wie beispielsweise C&A oder Peek&Cloppenburg haben mittlerweile die Sparte der Bio-Kleidung für sich entdeckt. Das Unternehmerduo dürfte diesem Trend zwiegespalten gegenüber stehen:

Eine gute Nachricht fürs Herz, eine schlechte fürs Geschäft.

Denn die Konkurrenz wächst nicht nur, sondern hat auch einen klaren Vorteil auf ihrer Seite. Die ArmedAngels-Produkte unterscheiden sich nämlich deutlich von Angeboten so manch anderer Textilmarken. Aber Nachhaltigkeit hat nun mal ihren Preis.

Und diese Prämisse gilt auch für das Unternehmen selbst. In der Öffentlichkeit tritt die Marke für höhere Ziele ein: statt nur ihre Ware verkaufen zu wollen, will sie ihre Zielgruppe zu einem sozialverantwortlicherem Kaufverhalten erziehen. Doch wer sich als Engel der Modewelt positionieren will, erhöht auch den Anspruch der Kunden. Es reicht nicht aus, dass das Markenimage nur ein bestimmtes Lebensgefühl vermittelt: Weltveränderer müssen authentisch und glaubwürdig wirken.

Auch die Zielgruppe muss an Engel glauben.

Für diese Glaubwürdigkeit ist es nicht ausreichend, dass die Produkte sowohl mit dem Fairtrade- als auch mit dem GOTS (Global Organic Textile Standard)-Gütesiegel ausgezeichnet sind. Auch der Markenkern muss nach diesem Prinzip geformt und umgesetzt werden: Er gibt die Richtung vor – und zwar in allen Marketing relevanten Fragen.

Im Falle ArmedAngel gilt jedoch, dass das Unternehmen nicht nur aus sozialer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht zu loben ist. Die Marke liefert ein Beispiel für erfolgreiche und authentische Markenführung.

Die Marke steht für ihre Kernwerte ein.

Und zu sozialverantwortlichen Kernwerten passt nun mal keine ausgefallene und schillernde Werbekampagne. Stattdessen  setzt die Marke auf prominente Gleichgesinnte. Testimonials, die sich auch für andere wohltätige Projekte einsetzen, wie beispielsweise Cosima Shiva Hagen, Thomas D oder Eva Padberg tragen das Label und fördern so die Bekanntheit. Doch man muss nicht im Rampenlicht stehen um ArmedAngels bewerben zu können: auf der Facebook-Homepage können überzeugte Käufer wiederum zu überzeugenden Verkäufern werden. Unter dem Stichwort Guerilla sind alle Fans des gewappneten Engels eingeladen, durch das Tragen des Markenlogos Werbung zu betreiben.

Im Fachjargon nennt man diese Strategie Inbound-Marketing.

Statt sich dem Kunden anzubiedern, setzt die Marke darauf gefunden zu werden. Und statt mit verführerischen Werbebotschaften zu verkaufen, will sie mit nützlichen Informationen überzeugen. Die Nähe zum Kunden ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Community für die Markenfreunde. Und diese wortwörtliche Gemeinschaft zwischen Geschäftsführung und Kunde heißt auch, dass man Kritik aus Kundenreihen als Anregung nimmt, sich als  Unternehmen kontinuierlich zu verbessern und zu wachsen.

ArmedAngels überzeugt vor allem durch Offenheit und Ehrlichkeit. Auch wenn das vielleicht bedeuten mag, dass man vor dem Kunden eingesteht, das man als Marke nicht perfekt ist. Trotz der steigenden Nachfragen machen die Unternehmensgründer auf der Website darauf aufmerksam, dass die Produktpalette nicht weiterwachsen wird. Eben weil „jeder doch das tun soll, was er am besten kann“. Unserer Meinung nach: eine erfolgreich geführte Social Fashion Marke…

 

 

Das Comeback des Kängurus: Die Marke YPS

Der erfolgreiche Relaunch der Marke YPS

Alte Bekannte zufällig im Supermarkt zu treffen, ist nicht immer unbedingt ein erfreuliches Ereignis. Falls Sie mir, verehrter Leser, in diesem Punkt zustimmen, lege ich Ihnen nahe, in nächster Zeit einen Umweg über das Zeitschriftenregal einzuschlagen. Denn dort stoßen Sie mit etwas Glück auf eine alte Bekannte, über deren Wiedersehen Sie sich garantiert freuen!

YPS ist nämlich wieder da!

Wenn Ihnen der Name YPS jetzt nichts sagt, dann liegt das wohl entweder daran, dass Sie a) erheblich jünger als 30 Jahre alt sind oder b) in Ostdeutschland aufgewachsen sind. Denn YPS steht wohl für die bekannteste westdeutsche Kinderzeitschrift in den 70er und 80er Jahren.

Dabei lässt sich der Erfolg des Comic-Heftchens in einem Wort zusammenfassen: Gimmick! Denn

als eine der ersten Zeitschriften tauchte YPS mit einem zusätzlichen Werbegag (wie „Gimmick“ laut Duden definiert ist) im Regal auf.

Zugegeben, heute bilden wohl eher Kinder-Zeitschriften, die ohne zusätzliche Lockstoffe im Regal landen, die Ausnahme. Doch bei der Gründung von YPS bildet das kleine Präsent eine Unique Selling Proposition wie aus dem Marketing-Lehrbuch. Das hatte sonst niemand… – was auf der Seite der Leser unweigerlich dazu führt, dass jeder es haben wollte! Und so haben die Gimmicks in Form von Glibbermaterial, eines Faltfernglases oder einer Gelddruckmaschine zwar selten funktioniert oder hatten gar einen tiefer gehenden Sinn, aber sie bescherten unzähligen Kindern spannende und glückliche Stunden.

YPS Cover mit Gimmick l

Für die Zeitschrift bedeutete der Millenniumswechsel einen kleinen Weltuntergang.

Doch wie so oft, ist auch ein Zeitschriften-Glück selten für die Ewigkeit bestimmt. Zur Jahrtausendwende ist die Welle der Leser-Begeisterung, die YPS entgegenschlägt, längst abgeklungen. Stattdessen kann sich die Marke in der stetig steigenden Flut an konkurrierenden Comic-Heftchen kaum noch über Wasser halten. Die Folgen sind klar. Der übersättigte Markt und die sinkenden Verkaufszahlen zwingen zu Sparmaßnahmen: Heft-Inhalte werden gestrichen, die Seitenzahlen gekürzt. Schließlich wird die Marke zum Kauf angeboten: das bisherige Heimat-Unternehmen Guner+Jahr übergibt das gebeutelte Heft an den Egmont Ehapa-Verlag. Doch auch der Besitzerwechsel kann nicht mehr viel retten: Im Oktober 2000 wird YPS schließlich  eingestellt.

Und nun ist der Peter Pan unter den Zeitschriften wieder da.

Das Relaunch-Datum ist also nicht zufällig gewählt: 12 Jahre nach dem wirtschaftlichen Aus, meldet sich das Comic-Heft zurück auf dem Zeitschriften-Markt.

Doch nicht nur, dass das Comicheft einen Marken-Relaunch wagt – denn das bedarf angesichts der ständig zurückgehenden Zahlen in den Printmedien schon eine gewisse Portion an Mut – ist eine Besonderheit. Sondern auch die Art, wie es sich bei seinem Comeback präsentiert… nämlich eigentlich nicht sehr viel anders, als noch vor 12 Jahren.

Selbst die Zielgruppe ist dieselbe. YPS wendet sich nämlich an die Kinder von damals. Zwar nicht als Kinder-Comic, aber als Männer-Magazin für die Generation der 30 bis 35- Jährigen. Eben jene Generation, die in ihrer Kindheit für eine Hochphase von YPS gesorgt haben, und auch umgekehrt durch YPS vielleicht die Hochphase ihrer Kindheit erlebt haben.

Na gut, seinen Heftchen-Charakter hat YPS mittlerweile verloren: heute präsentiert es seinen gealterten Lesern hochglänzende Seiten – und zwar 100 an der Zahl. Zum Vergleich: als die Zeitschrift im Jahr 2000 in den letzten (Schrift)Zügen lag, war es auf eine 32-seitige Ausgabe reduziert worden.

Und schließlich ist das Magazin nicht nur im Hinblick auf die Seitenzahlen gewachsen, sondern auch die Themen haben sich den mittlerweile erwachsenen Kindern angepasst: Titelthema der ersten ge-relaunch-ten Ausgabe ist beispielsweise „Mit 35 noch Geheimagent werden – wie geht das eigentlich?“ . Eine andere Rubrik trägt die Überschrift „Helden von einst“ – und liefert Porträts über die ebenfalls schon gealterten Kinderhelden der Leser, zum Beispiel des mehrfachen Olympia-Siegers Michael Groß.

Doch der Markenkern ist erhalten geblieben. Und das wird entscheidend sein für Erfolg oder Mißerfolg unsere Lieblings.

Und getreu dem Motto das Beste kommt Schluss, sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass in der neuen alten YPS natürlich auch ein Gimmick nicht fehlen darf: Beilage der ersten Relaunch-Ausgabe sind die Urzeitkrebse – das beliebteste Gimmick in der Comic-Karriere.

Fazit: Ein Comeback ist zuweilen ein riskantes Vorhaben. Die Zahl derjenigen Stars unserer Kindheit, die nach einer Auszeit versucht haben in die Öffentlichkeit zurück zu kehren und ihre Karriere wieder aufleben zu lassen, ist groß. Die Zahl derjenigen Stars, bei denen dieser Versuch auch wirklich von Erfolg gekrönt war, ist dagegen sehr klein. Denn oftmals muss der Comeback-Willige einsehen, dass die Welt mittlerweile auch ganz gut ohne seinen einstigen Star zurechtkommt.

Das Comeback – oder um den fachsprachlich korrekten Begriff zu verwenden – der Relaunch von YPS scheint allerdings mehr als geglückt zu sein. Die 120.000 Exemplare starke, erste Ausgabe der Marke mit dem Känguru war innerhalb weniger Tage nahezu ausverkauft. Es sieht wohl so aus, als wäre (zumindest in der Marken-)Welt noch ein Plätzchen für YPS frei…

Quelle: www.ehapa.de