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Lindt verliert den Hasenkampf

BGH lehnt Nichtzulassungsbeschwerde von Lindt endgültig ab 

In der Markenwelt ist das Osterfest vor allem bei Süßwaren-Marken sehr beliebt: die Nachfrage nach saisonalen Naschwerk wächst in unbekannte Höhen, bunte Schoko-Eier und andere zuckerhaltige Vertreter wandern in Scharen über die Supermarkt-Kasse und bescheren den Unternehmen steigende Verkaufszahlen.

Dabei gibt es einen klaren Oster-Bestseller: der Goldhase mit dem roten Halsband und dem kleinen Glöckchen darf in fast keinem Oster-Nest fehlen. Laut einer Online-Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts MediaAnalyzer greifen 41% der Deutschen zu dem Schoko-Produkt aus dem Hause Lindt (gesehen bei MediaAnalyzer Software & Research GmbH).

Doch in diesem Jahr dürfte sich der Freudentaumel im Hause Lindt & Sprüngli in Grenzen halten. Denn pünktlich zur Osterzeit, hat die Schweizer Marke an der Nachricht zu knabbern, dass auch hin Zukunft nicht alle Goldhasen auf dem deutschen Markt auf den Namen Lindt hören werden. Stattdessen müssen sie sich das Supermarkt-Revier teilen – mit den Artgenossen der Marke Riegelein.Riegelein_Hase-k

Zwölf Jahre hat der besagte Goldhasen-Rechtsstreit zwischen dem Lindt & Sprüngli Konzern und der Confiserie Riegelein angedauert. Ende März hat der Bundesgerichtshof jetzt einen endgültigen Schlussstrich gezogen und die Nichtzulassungsbeschwerde des Schweizer Großkonzerns erneut abgelehnt.

Angefangen hat der Streit 2000, als der Lindt & Sprüngli Konzern seinen sitzenden Goldhasen als dreidimensionales Markenzeichen in Deutschland und anderen Ländern schützen hat lassen. Seither versucht die Marke per Gerichtsurteil zu erreichen, dass andere Wettbewerber – und unter anderem eben jene Confiserie Riegelein – ihre sitzenden zur Seite blickenden Schoko-Osterhasen in Goldfolie nicht mehr verkaufen dürfen. Die Begründung: von den Produkten der anderen Hersteller würde eine zu große Verwechslungsgefahr ausgehen.

Viele andere Hersteller haben sich dem Druck des Schweizer Konzerns bereits gebeugt – aber nicht so das fränkische Familien-Unternehmen. Bereits im fünften Durchlauf und vor sämtlichen Instanzen hat Geschäftsführer Peter Riegelein um die Existenzberechtigung seines Goldhasens mit der aufgedruckten braunen Schleife gekämpft. Zwar hat jedes Gericht zu Gunsten von Riegelein entschieden, doch Lindt hatte gegen jedes Urteil Revision eingelegt.

Beim aktuellen Rechtsspruch hat nach Meinung von Peter Riegelein nun endlich die Gerechtigkeit gesiegt: „Lindt ist keineswegs der Erfinder des Goldhasen. Sitzende, seitwärts blickende Schokohasen in Goldfolie besitzen eine lange Historie. Es handelt sich um einen traditionellen Formenschatz, der schon seit gut einem halben Jahrhundert von vielen verschiedenen Unternehmen verwendet wird. Zu dieser Zeit war die Goldfolie ein häufig genutztes Verpackungsmittel“. Das mittelständische Unternehmen aus Cadolzburg vertreibt seinen Goldhasen ebenfalls seit über 50 Jahren; aus dem Sortiment an Schokoladen-Saisonartikeln ist er längst nicht mehr wegzudenken.

Der zuständige Rechtsanwalt des fränkischen Unternehmens Daniel Terheggen sieht in dem Rechtsbeschluss einen Präzedenzfall im Markenrecht: „Bei diesem Prozess ging es aus rechtlicher Sicht um die grundsätzliche Frage, ob alte Formen wie die seit Jahrzehnten üblichen Sitzhasen in Goldfolie nachträglich durch eine Markenregistrierung monopolisiert werden können und dann der Weitervertrieb schon lang im Markt etablierter und älterer Produkte rechtlich untersagt werden kann“.

(gesehen bei riegelein.de)

Die Häkelmarke – myBoshi

Die Markenstrategie von myboshi

Unter einem Stricklieschen stellt man sich ja eigentlich eher ein graues (aber natürlich dennoch liebenswertes) Mäuschen vor, das am liebsten hinter seinen Stricknadeln in Deckung gehen würde. Da ist der Anblick dieser zwei Stricklieschen doch eher überraschend, aber Thomas Jaenisch und Felix Rohland geben offen zu: sie sind häkel-besessen.

Doch zwei häkelnde männliche Wesen machen noch keine Marken-Anekdote. Das erstaunliche an der Geschichte von Thomas und Felix ist jedoch, dass sie ihre Leidenschaft zur gewinnbringenden Geschäftsidee gemacht haben:

Angefangen hat alles auf einem Skilehrer-Ausflug im winterlichen Japan. Aus Mangel an einem aufregenderem Abendprogramm haben sich die zwei jungen Männer die langen und kalten Winterabende in Japan mit Häkel-Unterricht und ersten Selbst-Versuchen vertrieben. Eins führt zum anderen und… ein Marken-Märchen wird wahr! Denn aus der Beschäftigungstherapie gegen winterabendliche Langeweile wird myboshi – ein Unternehmen, das individuell angepasste (neudeutsch: ‚customized’) Mützen in der Masse herstellt.myboshi gruender 02-k

Seit der Gründung (2009) sind einige Jahre vergangen und schaut man sich seinem Umgebung mal etwas genauer um, so stellt man schnell fest: Strickware liegt im Trend! Und zwar nicht nur als modische Kopfbedeckung, sondern auch als Freizeitbeschäftigung!

myboshi logo farbig-kDoch wenn die Zielgruppe nun anfängt Wollmützen wirklich selbst zu stricken statt sie nur selbstgestrickt zu kaufen, ist das dann nicht schlecht für Hersteller wie myboshi?

Nicht für Thomas und Felix! Denn die beiden beweisen unter ihren Mützen Köpfchen: seit 2012 gibt es ihre Strickguides „mützenmacher“ und „mützenundmehr“ zu erwerben. Jeweils im Paket mit inbegriffen: myboshi-labels zum annähen an die individuell gefertigten Mützen. Es geht eben nichts über eine echte myboshi.

Und nicht nur das! Um die Erfolgsgeschichte abzurunden, hat das junge Unternehmen sein Produkt-Repertoire erweitert. Mittlerweile tragen auch bunt-fröhliche Häkelnadel-Sets und Wolle in sämtlichen Farbvarianten von Kürbis und Senf bis hin zu Neon-Pink das myboshi-Label.

So hat sich myboshi zum einem bemerkenswerten Allroundtalent entwickelt! Und zwar nicht nur auf dem Gebiet der Strickwaren, sondern auch  auf dem Gebiet der Markenarbeit.

Thomas und Felix haben es verstanden auf den aktuellen Trend zu reagieren:  statt sich das allgemeine Häkel-Fieber zum wirtschaftlichen Verhängnis werden zu lassen, profitieren sie davon! Die Marke nutzt ihre Bekanntheit bei den Fans der gestrickten Masche, um den Absatz der Strickguides zu fördern. Die Bücher steigern wiederum die Verkaufszahlen der Wolle. Und die myboshi-Labels sorgen schließlich dafür, dass die selbst gestrickte Ware kein No-Name-Produkt bleibt und sich stattdessen die Kunde über die coole Mützen-Marke schnell verbreitet.

Und wer nun noch an der Genialität dieser Strategie zweifelt, der soll doch einfach mal versuchen im Winter, in einem Textil-Geschäft seiner Wahl myboshi-Wolle zu ergattern. Denn die war aufgrund der großen Nachfrage vielerorts ausverkauft!

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In dieser Rubrik finden Sie interessante Interviews mit Markeninhaber und Markenprofis. Wir entdecken spannende Positiv- wie Negativbeispiele, gehen dem Markenimage auf den Grund und hinterfragen, wie dieses Image erreicht wurde.

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