Tag Archiv für Markenwert

Interview mit Julia Sigursteindotir: Markenwerte in der Touristik

Steckbrief:

Markenname: Katla Travel

Markenclaim: Dein schönes Island.

Gründungsjahr: 1997

Anzahl der Mitarbeiter (in Deutschland): 8

Kernzielgruppe: Alter 30-65, Familien/Ehepaare, naturverbunden, Traumerfüllung, Suche nach dem Besonderen, Gebildet, Berufstätige mit mittlerem bis hohem Einkommen

Webseite: www.katla-travel.is

Alleinstellungsmerkmal: Islandreisespezialist, individuelle Reiseberatung

 

1. Frau Sigursteindotir, wofür steht der Markenname Katla Travel?

Katla Travel lässt vielleicht nicht sofort darauf schließen, dass sich ein Islandreisespezialist hinter unserer Marke verbirgt. Doch im Zusammenhang mit dem Claim „Dein schönes Island“ stellt er eine eindeutige Kombination dar. Islandkenner verbinden den Namen sofort mit Natur und Naturgewalten: Vulkane – sie gehören zu den markanten Naturhighlights des Landes und haben zur Entstehung der Insel beigetragen. 

2. Hat sich das Image Ihrer Marke seit Gründung verändert?

Seit der Gründung steht der Gedanke der individuellen Beratung als Islandspezialist im Vordergrund. Über die Jahre wurde diese Kernbotschaft immer stärker umgesetzt und auch kommuniziert. Wir betonen, dass wir über umfassende Fach- und Landeskenntnisse, sowie persönliche Leidenschaft für das Reiseland Island verfügen.

Wir erhalten sehr positives Feedback von unseren Kunden – sowohl in der Phase der Reisevorbereitung, als auch nach der Reise. Und auch unsere Partner vor Ort, bestätigen unsere erfolgreiche Zusammenarbeit. Das zeigt uns, dass der Name Katla Travel mit einem sehr guten Image verbunden ist.

3. Was denken Sie persönlich, wie wichtig ist das Thema Markenimage für den Absatz von Urlaubsreisen?

Besonders bei Reiseländern mit hohem Beratungsbedarf entscheiden die potentiellen Reisenden hauptsächlich danach, wie interessant ein Unternehmen erscheint, wie  kompetent die Mitarbeiter sind und ob das Unternehmen in der Umsetzung halten kann, was es verspricht. Emotionale Erlebniswerte spielen ebenfalls eine große Rolle. Deswegen setzen wir auf den Claim „Dein schönes Island“  – der spricht den Kunden direkt an.

4. In der Touristik-Branche ist es oft schwer sich durch einen erkennbaren Produktvorteil von der Konkurrenz abzusetzen. Insbesondere bei Produkten, die durch den Kunden einfacher vergleichbar geworden sind. Denken Sie, dass in der finalen Entscheidung das Image einer Marke Einfluss hat? Wenn ja, welchen und warum?

Auch hier kann das Image der Marke Einfluss haben, besonders dann wenn der Kunde sich „gut aufgehoben“ fühlt und seine Erwartungen erfüllt werden. Eine Marke verspricht professionellen und freundlichen Serviceund das sollte sie dann auf jeden Fall auch einhalten.

Vielen Dank für das Interview! „Kærar þakkir fyrir viðtalið“

Die wildefreunde Werbeagentur aus München ist bereits seit über 7 Jahren ein treuer Begleiter der Marke Katla Travel. Wir haben sowohl das Logo wie auch den Katalog einem Relaunch unterzogen.

Interview mit Dietmar Gunz: Markenwerte in der Touristik

Ein Interview mit Dietmar Gunz, Gründer und Geschäftsführer von Deutschlands viertgrößtem Reiseveranstalter – der FTI GmbH mit Sitz in München.

 

Herr Gunz, bei Ihrem Markenauftritt fällt auf, dass Sie sich gegen den Einsatz eines Markenclaims entschieden haben. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mit einem Claim präsentiert die Marke eine Kernbotschaft. Und das schränkt ein. Außerdem ist der Aufwand ist (zu) hoch um einen Claim wirklich erfolgreich zu transportieren, kommunizieren und emotional aufladen zu können.

Der Verzicht auf einen Markenclaim heißt jedoch nicht Verzicht auf Markenwerte. Für was steht Ihre Marke?

Die Marke FTI steht für verlässliche Qualität, das beste bzw. ein faires Preisangebot und eine gelebte Partnerschaft mit dem Handel. Sowohl in der Kommunikation mit dem Endkunden, als auch mit Handelspartnern legen wir Wert auf einen unkomplizierten und serviceorientierten Umgang. – Allerdings liegt der Focus der Marke FTI vor allem auf dem B2B und nicht auf dem B2C-Bereich.

Herr Gunz, im Jahr 1983 haben Sie das Reise-Unternehmen Frosch Touristik GmbH gegründet. Welche Ziele haben Sie damals für Ihre Marke festgelegt?

Markenziele habe ich mir damals eigentlich gar keine gesteckt. Für mich war es damals nur entscheidend einen Firmennamen zu finden, den die IHK bereit war einzutragen.

Hat sich das Bild/Image Ihrer Marke seit Gründung verändert? Wenn ja, wohin und wodurch?

FTI_4c_kleinDie Marke FTI ist erst 1996 entstanden. Das waren ganze 16 Jahre nach der Gründung der ersten Marke und der heutigen Spezialmarke – lal Sprachreisen – und 13 Jahre nach der Gründung von Frosch Touristik. FTI seht für Frosch Touristik International. Die internationale Ausrichtung bildet wohl die wichtigste Veränderung in der Markengeschichte und wirkte sich auch auf das Bild der Marke aus.

Die Veränderung kam mit der Zeit: sie war ein logischer und vielleicht auch notwendiger Schritt angesichts der Entwicklungen des Geschäftes und der Notwendigkeit transparent und verständlich zu sein.

Heute ist FTI als internationale Ausgabe Marke einer Touristik Holding und zugleich auch die Hauptmarke des Konzerns, unter der weitere Spezialmarken vereint sind.

Sie als Gründer: Wie viel von Ihrer Persönlichkeit steckt im Markenkern? Und inwieweit ist Marke immer auch ein persönliches Projekt des Gründers?

Ich würde sagen, im Markenkern steckt gar keine Persönlichkeit mehr von mir. Bei der Markenführung geht es heute nur noch um Praktikabilität, Verständnis und Kommunizierbarkeit der Markewerte. Persönliche Einstellungen und Ziele des Gründers sind da fehl am Platz.

Was denken Sie persönlich, wie wichtig das Thema Markenimage für den Absatz von Urlaubsreisen ist?

Beim Thema Markenimage ist zwischen Handel und Endverbraucher zu unterschieden. Für den Kunden sind die Marke des Produktes und damit auch das dazugehörige Image  sehr wichtig – allerdings erst an 2. Stelle hinter dem Preis. Die Marke des Reiseveranstalters ist dagegen eher weniger wichtig – denn Reiseveranstalter sind austauschbar.

In der Touristik-Branche ist es schwer sich durch einen wirklichen Produktvorteil von der Konkurrenz abzusetzen. Denken Sie, dass eine positiv besetzte und bekannte Marke beim Kunden einen höheren Buchungsanreiz bewirkt?

Auf jeden Fall. Das Merkmal „Positiv besetzt“ ist so zu sagen die Grundvoraussetzung, damit ein gutes Produkt vom Endkunden gebucht wird und vom Handel empfohlen wird.

Von Anfang an stand Ihre Marke auf Expansionskurs. Das Problem daran: Großveranstalter konterten Ihre Preisofferten mit Leichtigkeit. Kann Ihrer Meinung nach, am Ende nur die preiswerteste Marke den Konsumenten überzeugen?

Der Preis spielt eine entscheidende Rolle bei der Überzeugung des Kunden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unterschiedliche Touristik-Marken dem Kunden oftmals sehr ähnliche und daher austauschbare Hotel- und Flugangebote bieten. Die Vergleichbarkeit ist somit leicht.

Wie kann sich eine ‚kleine’ Marke mit ca. 2500 Mitarbeitern überhaupt gegenüber den Großveranstaltern TUI und Neckermann behaupten?

‚Kleine’ Marken können sich gegenüber den ‚Großen’ behaupten, indem sie Vorteile wie ein kundenfreundliches Preis-Leistungsverhältnis, gute Beziehungen zum Handel und eine kontinuierliche Produktoptimierung – im Falle von FTI wären das zum Beispiel Verbesserung der Flugzeiten, Stärkung der Regionalität, Attention to Detail und der Ausbau von persönlichem Service – schaffen.

FTI ist mittlerweile, trotz kleinem Werbebudget, auch bei den Endkunden bekannt. Wissen Sie genau wie Ihr Kunde die Marke FTI wahrnimmt?

Nein, wir messen die Bekanntheit unserer Marke nicht. Stattdessen orientieren wir uns an einer anderen Zahl zur Messung des Erfolgs von FTI: über 3 Millionen Kunden reisen pro Jahr mit einem Produkt von FTI und machen Erfahrung damit.

Erst in diesem Jahr sind Sie mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden zum viertgrößten Reiseveranstalter Deutschlands. Was glauben Sie, ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich denke nicht, dass es ein Geheimnis für Erfolg gibt. Vielmehr setzt FTI auf Kontinuität und ständige Weiterentwicklung in der Unternehmensarbeit.

Zum Thema Markenarbeit: Wer übernimmt die Markenarbeit im Unternehmen? Ist für Sie, Marke eine Sache der Chefetage oder des Marketings?

Markenarbeit ist definitiv Chefsache.

Verraten Sie uns Ihren Markenkern?

Vertrauen in das Wesentliche.

Die FTI Touristik hat mittlerweile erfolgreich expandiert und ist Dachmarke für einige Tochtergesellschaften. Unter anderem die Luxusmarke Gold oder der Sprachreisenveranstalter lal. Ein Unternehmen, aber völlig verschiedene Marken: Wieviel „Markenimage“ von FTI schwingt in den jeweils anderen Marken mit? Und ist das immer positiv?

Die Zugehörigkeit zur FTI-Gruppe wird immer mitkommuniziert und ist somit auch fester Bestandteil der einzelnen Spezialistenmarke. Diese Verbindung halte ich für sehr positiv, denn das Mitschwingen der Dachmarke schafft Vertrauen.

Welchen Einfluss haben „X-Veranstalter“ auf das Markenempfinden und Markenwert in den Köpfen der Kunden und Expedienten genommen?

Ich denke, dass die X-Veranstalter etwas Verwirrung in den Köpfen der Kunden schaffen. Und dennoch denke ich, dass sich dieses Problem von selbst lösen wird, denn ich halte X-Veranstalter für eine Zeiterscheinung, die sich wieder legen wird.

Welchen Anteil hat die FTI Group Tochter sonnenklar.tv für die Markenarbeit von FTI? Und warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Im Reiseshoppingsender sonnenklar.TV sehe ich eine gute Methode um bestimmte nachfrageschwache Saisonzeiten aktiv zu bewerben und um dort Nachfrage zu schaffen, wo keine natürliche Nachfrage besteht.

Auf der Unternehmenswebseite verweisen Sie unter anderem stolz auf die Ökobilanz und die vortreffliche soziale Komponente in ihrem neuen Gebäude-Komplex. Wie wichtig sind solche Dinge für einen erfolgreichen Markenauftritt beim Endkunden / Reisebüro / Fachpresse? Achten Sie hier auf ein ganzheitliches Konzept und hat das Einfluss auch auf andere Aktivitäten/ Entscheidungen?

Ich denke, für den Markenauftritt sind diese Dinge nur indirekt wichtig. Vielmehr denke ich dabei an die Mitarbeiter der Marke: denn sie und ihr dazugehöriger Arbeitsplatz sind ausschlaggebende Faktoren für die Qualität der Arbeit und die Bereitschaft zu gutem Service.

1998 befand sich FTI in der Krise: zunächst wurde ein Drittel von FTI an MyTravel verkauft, 2002 wurde der Konzern vollständig von MyTravel übernommen. Sie und Ihre Partner Thuesen und Turan Jenei haben sich in dieser Zeit aus dem Unternehmen zurückgezogen. Hat sich in dieser Zeit unter der fremden Leitung auch die Marke verändert?

Durch die Führung unter fremder Hand hat das Unternehmen an Vertrauen verloren – oder zumindest fühlt es sich so an.

2003 haben Sie dann das Unternehmen FTI Touristik für den symbolischen Wert von einem Pfund zurück erworben. Was bedeutete Ihnen das ganz persönlich?

Ich hatte das Privileg, dass unser Einsatz für die Marke FTI auch mit ein bisschen Glück belohnt wurde.

Die Marke FTI gibt es seit 1983; ihren Platz auf dem Markt hat sie schon lange etabliert. Doch welchen Einfluss nehmen gesellschaftliche Trends auf die Marke? Beispielsweise werden heute die meisten Reisen online gebucht.

FTI ist überall dort, wo der Kunde ist. Auf dieses spezielle Beispiel bezogen, heißt das: Es gibt keinen Unterschied zwischen On- und Offline-Angeboten. Wir verkaufen auch im digitalen Zeitalter weiterhin Reisen an unsere Kunden.

Herr Gunz, herzlichen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke in das Markenmanagement der FTI GmbH.

Die wildefreunde Werbeagentur aus München ist seit über 20 Jahren sehr stark mit der Touristik verbunden. Vor ca. 20 Jahren haben die Geschäftsführer Susanne Schmitz und Robert Gampe bei FTI Ihre Kreativkariere begonnen. Wir haben eine Menge  Katalogkonzepte entwickelt und einige unserer Neuerungen wurden von der Branche kopiert. Wir haben die Marke FTI einige Jahre auch als externe Kreative begleitet.

Interview mit Frank Straka: Markenwert in der Touristik

Unser Interview zum Thema „Markenwert in der Touristik“

Markenname: Mediplus

Markenclaim: Ihr Reisepartner für gesunde Erholung

Gründungsjahr: 2001

Anzahl Mitarbeiter in Deutschland:80

Kernzielgruppe: Best Ager (55-75 Jahre)

Webseite: www.mediplusreisen.de

Interviewpartner: Frank Straka war von 2008 bis Ende 2012 Bereichsleiter Vertrieb, Marketing und PR. Wir danken für das Interview.

Für was steht Ihre Marke:

Reisen für eine wohlsituierte Zielgruppe von Menschen zwischen 55-74 (Best Ager) die sich im Urlaub um eine Verbesserung Ihres Gesundheitszustandes bemühen oder einen altersgerechten Urlaub verbringen möchten

Hat sich das Bild/Image Ihrer Marke seit Gründung verändert? Wenn ja, wohin und wodurch?

Das Image von Mediplus hat sich von einem reinen Gesundheitsreiseveranstalter hin zum Spezialisten für Best-Ager Urlaub entwickelt. Schuld daran ist eine konsequente Bildsprache zu diesem Thema..

Was denken Sie persönlich, wie wichtig das Thema Markenimage für den Absatz von Urlaubsreisen ist?

Das Markenimage ist extrem wichtig für den Absatz von Reisen im Reisebüro bzw. für den Verkauf hochwertiger Produkte. Der gesamte preis-aggressive Anzeigenvertrieb bzw. Discountvertrieb ist vollkommen unabhängig von einer Marke.

In der Touristik-Branche ist es oft schwer sich durch einen erkennbaren Produktvorteil von der Konkurrenz abzusetzen. Insbesondere bei vergleichbaren Produkten. Denken Sie, dass in der finalen Entscheidung das Image einer Marke Einfluss hat?

Marke signalisiert dem Kunden eine Sicherheit, gerade bei einem nichtmateriellen Gut, wie der Dienstleistung Reise, wo er nur ein Leistungsversprechen kauft und ihn darin bestätigt dass seine Entscheidung richtig war. Andererseits führt die Marke bei den Kunden eine kaufentscheidung bei, die sich von anderen Kunden abheben möchten. „Ich reise mit xyz, nicht mit irgendeinem „noname Veranstalter“, auch wenn der das gleiche Hotel anbietet.

Welchen Einfluss haben „X-Veranstalter“ auf das Markenempfinden und Markenwert in den Köpfen der Kunden und Expedienten genommen?

In den Köpfen der Kunden finden n.M.E. X-Veranstalter in den seltensten Fällen als Marken statt – als Ausnahme mag JT angesehen werden – alle anderen haben eher dazugeführt, dass die Markenwerte der klassischen Veranstalter gestärkt wurden.

Wer übernimmt die aktive Markenarbeit im Unternehmen?

Bei Mediplus übernehmen Geschäftsführung und Marketingleitung gemeinsam aktiv die Markenarbeit.

Herzlichen Dank Herr Straka für das Interview!

Die wildefreunde Werbeagentur aus München ist seit über 20 Jahren sehr stark mit der Touristik verbunden. Viele Katalogkonzepte, Markenrelaunches,  Reisebürokampagnen/Dekos wurden von unserem Team erfolgreich für Großveranstalter, wie auch Spezialisten umgesetzt.

 

 

Weiche Schale, harter Kern?

Warum es für Unternehmen wichtig ist ihrem Markenkern treu zu bleiben

Begleiten Sie mich auf eine Reise! Auf eine Reise zum Markenkern. Wir beginnen unsere Reise dort, wo die Marke zum ersten Mal auf den Kunden trifft: in einem Supermarkt Ihrer Wahl. Von allen Seiten werden sie von Marken umworben: manche sind Ihnen bereits vertraut; Sie haben gute oder auch weniger gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Andere entdecken Sie heute vielleicht zum ersten Mal. Alle haben jedoch eines gemeinsam: sie wollen Ihnen gefallen. Im wahrsten Sinne des Wortes werden Sie von den einzelnen Markenprodukte umworben: manche Marken sind dabei fast schon aufdringlich und locken Sie durch ihr auffälliges und schrilles Äußeres an. Andere dagegen halten sich zurück – in der stillen Hoffnung, das ihr Inneres ausreichend Überzeugungsarbeit leistet.

Marke ist ein großes Wort. Doch was steckt dahinter?

Nehmen wir nun ein beliebiges Markenprodukt. Wir ignorieren für einen kurzen Moment die verführerische Einladung des Point of Sale, verdrängen die Gedanken an die humorvolle Printanzeige, die uns heute Morgen aus einer Zeitschrift eifrig zuwinkte. Auch von den Erinnerungen an den action-geladenen TV-Spot oder der bis in Detail ausgeklügelten Verpackung lassen wir uns nicht ablenken. Und dann kommt er endlich zum Vorschein: der Markenkern.

 

Der Markenkern steht für die Kernwerte eines Produktes.

Nicht jedes Produkt wird automatisch zum Markenprodukt. Sondern nur dann, wenn es sich einen Namen macht. Wenn es seinem Kunden ein ganz bestimmtes Nutzenversprechen gibt. Dieser Nutzen sollte drei Voraussetzungen erfüllen: Er muss sich von den Versprechen der Konkurrenzprodukte unterscheiden. Er muss für die angestrebte Zielgruppe wertvoll sein. Und er muss wirklich existieren. Sind diese Bedingungen erfüllt kann der Markenkern geformt werden.

Doch das ist erst der Anfang.

Der Vorstandsvorsitzende des Beiersdorf-Unternehmens Thomas-Bernd Quaas managt mit NIVEA eine Marke, die bereits seit über 100 Jahren für erfolgreiche Markenkommunikation steht. Für ihn ist jede Marke vergleichbar mit einem Mensch: jede hat ein eigenes Gesicht und eine eigene Sprache – so präsentiert sie sich dem Kunden. Bezogen auf den Markenkern heißt das: bei ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit (egal in welcher Form) darf sich eine Marke nicht verstellen. Denn – ähnlich einem Menschen, der vorgibt etwas anderes zu sein, als er tatsächlich ist – verliert man so beim Kunden schnell an Glaubwürdigkeit.

Marke bedeutet Kontinuität.

Auch eine Marke sollte also sich selbst treu bleiben. Das mag zunächst ganz simpel klingen; erfordert aber viel Disziplin. Vor allem auf Ebene der Chefetage. Denn von dieser Position aus, sollte der Markenkern klar kommuniziert werden – und zwar an alle Abteilungen, auch bis hin zum Mitarbeiter in der Produktion. Und auch jede Aktion sollte auf den Markenkern abgestimmt werden. Zur Markenführung gehören Skepsis und Mut: die Skepsis, kontunierlich zu hinterfragen, ob einzelne Kampagnen den Kernwerten folgen.  Aber auch der Mut, auf das eigene Markenkonzept zu vertrauen und eben nicht jede Trendwende mitzumachen.

Zu guter letzt…

Lassen Sie mich noch einmal auf das Beispiel NIVEA zurückkommen. 100 Jahre ist eine lange, lange Zeit für eine Marke. Immer wieder werden kritische Stimmen laut, ob die Marke, denn nicht in die Jahre gekommen ist und dem blau-weißen Tiegel nicht einmal ein ordentliches Lifting verpasst werden sollte. Doch Nivea bleibt sich treu. Der Marke steht seit jeher für Pflege – und dazu steht sie auch! Natürlich kann die Marke trotzdem mal frisch und modern auftreten – aber der Kernwert Pflege bleibt. In der Kosmetiksparte mag es zwar glamourösere Markenauftritte geben. Oder hippere. Aber die sind dann vielleicht auch weniger erfolgreich. Zumindest auf lange Sicht.

Denn ein stabiler Markenkern gibt festen Halt. Auch in stürmischen Zeiten.

Marken in Kooperationen – Wer hat was davon?

Oder: Worauf es bei einer erfolgreichen Markenkooperation ankommt.

Unser Beispiel: „Beziehungspflege“ zwischen Lufthansa und Nivea.

Was haben eigentlich Flugzeuge mit Hautcreme gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl relativ wenig. Aber wenn die beiden Nivea und Lufthansa heißen, dann teilen sich die beiden seit dem 31. Oktober eine ziemlich erfolgreiche Facebook-Marketing-Aktion. Unter dem Motto „Beziehungspflege“ sind die zwei Marken zusammen auf der Suche nach den „romantischsten, bewegendsten und lustigsten Fernbeziehungsgeschichten“, wie es Lufthansa in einer Pressemitteilung verlauten lässt. Als Plattform für die Anekdoten rund um die Partnerschaften auf Distanz dient wahlweise die Facebook-Seite der Luftfahrt- oder der Kosmetikmarke. Egal für welche Seite man sich entscheidet: ein hübsches Foto der beiden Liebenden sollte nicht fehlen.

Lufthansa und Nivea zeigen Verständnis.

Aber nicht nur für Liebesgeschichten voller Sehnsucht. Sondern vor allem für erfolgreiche Markenkooperation. Oder Co-Branding, wie es im Marketing-Jargon heißt. Doch nicht in allen Fällen gelingt die Zusammenarbeit so gut wie im Falle von Lufthansa und Nivea. Mit einer Kooperation gehen zwei Marken eine Art Partnerschaft miteinander ein. Und auch wenn diese rein wirtschaftlich bleibt, so gelten doch ähnliche Regeln wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung: beide Partner sollten gleich gestellt sein. Sonst wird einer der beiden untergehen. Aber genau aus diesem Grund, mag vielleicht eine Verbindung zwischen der Lufffahrt- und Kosmetik-Branche irritieren. Denn können Kooperationspartner überhaupt gleichgestellt sein, wenn die Marken jeweils für völlig unterschiedliche Produktkategorien stehen?Ja, kann es.

Denn Gleichstellung heißt nicht Gleichheit.

Stattdessen heißt das Schlagwort, das in Kooperationsverhandlungen fallen muss Markenwert. Im Falle der „Beziehungspflege“ blicken sowohl die Beiersdorf-Marke als auch Lufthansa auf eine längere Unternehmensgeschichte zurück. Beide Parteien sind keine Neulinge auf dem Markt, sondern haben sich – in der jeweils entsprechenden Branche – bereits erfolgreich etabliert. Nivea und Lufthansa kann also dieselbe Markenwertigkeit zugeschrieben werden – die  Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kooperation sind somit erfüllt.

Was dann aus wirtschaftlicher Sicht als Kooperation betitelt wird, wirkt aus Sicht des Kunden wie ein gegenseitiger Zuspruch. Die Marken geben sich untereinander zu verstehen: Dich find ich gut, mit dir will ich zusammenarbeiten! Die Folge: Das Markeimage beider Seiten wird durch eine erfolgreiche Kooperation gestärkt und eine gemeinsam abgewickelte Marketing-Aktion zum Qualitätssiegel für die Öffentlichkeit.

Mission erfüllt!

Und sieht man einmal genauer hin, so erscheint auch eine Verbindung von Cremedöschen und Flugzeugen nur als logisch. Seit April dieses Jahres setzt sich Lufthansa für eine Fernbeziehung ein: Er aus Frankfurt, sie aus Mailand. Zumindest wenn man der Werbung glaubt. Und Nivea hat sich bereits seit mehr als 100 Jahren der Pflege verschrieben. Warum also nicht auch der Pflege im zwischenmenschlichen Bereich.

Bei der Aktion „Beziehungspflege“ könnet man also schon fast von einer win-win-win-Situation sprechen: Nivea ist glücklich. Lufthansa ist glücklich. Und jeder Facebook-User kann endlich seine Liebesgeschichte loswerden. Und können dabei sogar noch etwas gewinnen!